BRC

Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen und Controlling

Investierung

I

Investierung und Finanzierung in der Bilanz

I

Investitions­begriff

5

5 Stufen der Investitions­einzel­planung

I

Invest­itions­arten

K

Kosten­vergleichs­rechnung

G

Gewinn­vergleichs­rechnung

A

Amortisations­vergleichs­rechnung

R

Rentabilitäts­vergleichs­rechnung

Investierung und Finanzierung in der Bilanz

Aktiva Passiva
= Vermögensseite
   - Anlagevermögen (AV)
   - Umlagevermögen (UV)

Kapitalverwendung
⇒ Formen des Vermögens

Investierung
= Kapitalseite
   - Eigenkapital (EK)
   - Fremdkapital (FK)

Kapitalbeschaffung
⇒ Herkunft des Vermögens

Finanzierung


Investitions­begriff

  • in der Praxis versteht man darunter meist nur Anlageinvestitionen (im Anlagevermögen)
  • die weiteren Vermögen gehören aber auch dazu

Sachinvestitionen

  • Anlageinvestitionen (Ersatz oder Erweiterung)
  • Vorratsinvestitionen

Finanzinvestitionen

  • Beteiligungsrechte (z. B. Aktien)
  • Forderungsrechte (z. B. Darlehen)

Immaterielle Investitionen

  • Im Personalbereich
  • Im Forschungs- und Entwicklungsbereich
  • Im Absatzbereich (z.B. Werbefeldzüge)

5 Stufen der Investitions­einzel­planung

1. Anregungsphase

Anregung der Investitionen

  • Unternehmensinterne Anregungen: Kapazitätsengpässe, hohe Kosten, schlechte Qualität der Erzeugnisse, Ablauf der Nutzungsdauer, Reparaturanfälligkeit, laufende Terminüberschreitungen, wiederholt erforderliche Überstunden
  • Unternehmensexterne Anregungen: von Marktpartnern wie Handel, Endverbraucher, Verwender, Forschungsinstitute, vom Gesetzgeber durch neuer Vorschriften (Unfallschutz, Umweltschutz)

Beschreibung des Investitionsproblems

  • Anregung konzentrieren, ob die Investition das Problem lösen kann
  • Darstellung und Begründung des Investitionsproblems
  • Dringlichkeit der Investition
  • Vor- und Nachteile der Investition

2. Suchphase

Bewertungskriterien

Quantitativ verwendet Investitionsrechnug

Qualitativ verwendet Nutzwertrechnungen (Nutzwertanalyse)

  • Wirtschaftliche Kriterien: Garantie, Kundendienst, Zuverlässigkeit, Lieferzeit
  • Technische Kriterien: Genauigkeitsgrad, Kapazitätsreserve, Störanfälligkeit
  • Soziale Kriterien: Ästhetik, Umweltfreundlichkeit
  • Rechtliche Kriterien: rechtliche Zulässigkeit, Unfallverhütungsvorschriften, Umweltschutzvorschriften

Investitionsalternativen

Sammlung der Investitionsalternativen

  • bei standardisierten Gegenständen
  • Bezugsquellenermittlung
  • Anfrage
  • Angebotsvergleich

Selbständige Erarbeitung von Investitionsalternativen

  • bei neuartigen Gegenständen
  • Problem selber lösen
  • z. B. durch kreative Methoden wie Brainstorming

3. Entscheidungsphase

Vorauswahl

Oft können Alternativen schon aussortiert werden, weil sie wirtschaftlich, technisch oder rechtlich nicht passen (Begrenzungsfaktoren).

Bsp.: Es erfüllt nicht die Unfallvorschriften, braucht zu lange um geliefert zu werden oder entspricht nicht den technischen Anforderungen.

Bewertung der Alternativen und Auswahl der günstigsten

Es wird mithilfe der Investitionsrechnung oder / und der Nutzwertrechnung die vorteilhafteste Alternative ausgewählt.

4. Durchführungsphase

Es wird investiert bzw. durchgeführt, wenn die Unternehmensleitung zustimmt.

5. Kontrollphase

Es wird kontrolliert, ob die geplanten und tatsächlichen Daten übereinstimmen. Ziel ist es rechtzeitig Anpassungsmaßnahmen einzuleiten und Erfahrungen für zukünftige Pläne zu gewinnen.

Invest­itions­arten

Brutto-investitionAnlage-investitionVorrats-investitionErsatz-investitionErweiterungs-investition Netto-investition



Beispiele der Investitionsarten in der Bilanz und GuV

  • Ersatz: Abschreibung auf Anlagen (GuV)
  • Vorrats: Vorräte (Bilanz)
  • Erweiterung: Anlagen (Bilanz)
  • Anlage: Ersatz + Erweiterung
  • Netto: Vorrat + Erweiterung
  • Brutto: Anlage + Vorrat

Kosten­vergleichs­rechnung

Kapitalkosten

$$kalk. Abschreibungen = \frac{Anschaffungswert - Restwert}{Nutzungsdauer}$$

$$kalk. Zinsen = \frac{Anschaffungswert + Restwert}{2}\times Zinssatz$$

$$Kapitaldienst = kalk. Abschreibungen + kalk. Zinsen$$

Betriebskosten

$$Betriebskosten = Personalk + Materialk + Instandhaltungsk + Raumk + Energiek + sonstige$$

Beispiel

Kosten (EUR/Jahr) Bsp. 1
Anschaffungswert
Restwert
Nutzungsdauer (Jahre)
Auslastung (Stück/Jahr)
Zinssatz
300.000,00
12.000,00
10
3.000
10,00%
Fixe Kosten:
   Abschreibungen
+ Zinsen
+ Raumkosten
+ Instandhaltung
+ Gehälter
+ Sonstiges
= Summe

28.800,00
15.600,00
2.000,00
3.800,00
15,000,00
6.000,00
71.200,00
Variable Kosten:
   Löhne
+ Materialkosten
+ Energiekosten
+ Sonstiges
= Summe

80.000,00
210.000,00
32.000,00
8.000,00
330.000,00
Gesamtkosten 401.200,00

Diese Rechnung wird mit mehreren Optionen gemacht, um die günstigste zu finden.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • einfach anzuwenden (praxisbezogen)
  • bei ungleicher Auslastung anwendbar (Stückkostenvergleich erforderlich)

Nachteile

  • nur auf ein Jahr (statisches Verfahren)
    • es werden zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigt
    • 1. Jahr ist nicht repräsentativ
    • leicht verbessert: Durchschnittskosten
  • Erträge werden nicht beachtet, denn Kosten alleine haben keine richtige Aussage!
  • Kapitaleinsatz wird nicht berücksichtigt
  • Amortisationszeit wird nicht berücksichtigt

Gewinn­vergleichs­rechnung

Ergänzt Kostenvergleichsrechnung um die Erträge

Beispiel

(EUR/Jahr) Bsp. 1
Erlös pro Stück
Nutzungsdauer (Jahre)
Auslastung (Stück/Jahr)
gleichen Werte aus KVR
140
10
3000
Ertrag 420.000,00
   Fixe Kosten
+ Variable Kosten
= Gesamtkosten
71.200,00
330.000,00
401.200,00
Gewinn 18.800,00

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • einfach anzuwenden (praxisbezogen)
  • bei ungleicher Auslastung anwendbar (Gesamtkostenvergleich erforderlich)
  • Erträge werden berücksichtigt
    • und damit auch Faktoren wie die Qualität, die sich im Erlös widerspiegeln

Nachteile

  • nur auf ein Jahr (statisches Verfahren)
    • es werden zukünftige Entwicklungen nicht berücksichtigt
    • 1. Jahr ist nicht repräsentativ
    • leicht verbessert: Durchschnittsgewinn
  • Kapitaleinsatz wird nicht berücksichtigt
  • Erträge nur schwer ermittelbar bei nicht marktfähigen Leistungen wie z. B. Einbauteilen
  • Erträge lassen sich nicht auf nur eine Maschine legen, wenn Produkt auf mehreren gefertigt wird.
  • Amortisationszeit wird nicht berücksichtigt

Amortisations­vergleichs­rechnung

  • auch als Rückflussmethode, Pay-Back-Methode oder Pay-off-Methode bezeichnet
  • schätzt das verbundene Risiko ab

als Durchschnittsrechnung

$$Amortisationszeit = \frac{Kapitaleinsatz - Restwert}{durchschnittlicher Rückfluss}$$

  • Kapitaleinsatz: Anschaffungskosten
  • Rückfluss: jährliche Einnahmen - jährliche Ausgaben
  • die statische Investitionsrechnung arbeitet aber mit Kosten und Erträgen. Deswegen ungefähr:

$$durchschnittlicher Rückfluss = druchschnittlicher jährlicher Gewinn + jährliche Abschreibungen$$

als Kumulationsrechnung

  • genauer
  • (etwas aufwendiger)
  • anstatt durchschnittlicher jährlicher Rückfluss, sondern einzelne geschätzte jährliche Rückflüsse
  • solange aufaddiert bis Kapitaleinsatz gedeckt ist

Beispiele


Bsp. 1
Anschaffungswert
Restwert
Abschreibung
Ø jähr. Gewinn
300.000,00
12.000,00
28.800,00
41.300,00
Ø Rückfluss 70.100,00
Amortisationszeit 4,1084165477

jähr. Gewinn kumuliert
1. Jahr 38.100,00 66.900,00
2. Jahr 38.500,00 134.200,00
3. Jahr 39.300,00 202.300,00
4. Jahr 40.100,00 271.200,00
5. Jahr 42.500,00 342.500,00



Vor-und Nachteile

Vorteile

  • einfach anzuwenden (praxisbezogen)
  • Abschätzen des Risikos in Daten unsicheren Situationen (wirtschaftspolitische, technische Entwicklungen)
  • gibt für die Fremdfinanzierung eine Hilfe wie lange das Geld benötigt wird
  • gibt für die Eigenfinanzierung eine Hilfe wie lange der Abschreibungsrückfluss anderweitig genutzt werden kann
  • nutzt Kosten, jährlichen Gewinn, Abschreibung ⇒ größere Aussagekraft

Nachteile

  • Rentabilität nicht berücksichtigt
    (bei gleicher Amortisationszeit aber unterschiedlicher Nutzungsdauer ist das Objekt mit der längeren Nutzungsdauer rentabler)


Rentabilitäts­vergleichs­rechnung

$$Rentabilität = \frac{kalk. Zinsen + Gewinn}{durchschnittlicher Kapitaleinsatz}$$

  • kalk. Zinsen des Investitionsobjektes
  • Gewinn der zusätzlich durch das Investitionsobjekt entsteht
  • Ø Kapitaleinsatz ist bei abnutzbarem Anlagevermögen: (Anschaffungspreis + Restwert)/2

Beispiel

Kosten (EUR/Jahr) Bsp. 1
Anschaffungswert
Restwert
300.000,00
12.000,00
kalk. Zinsen
   Ertrag
-  Gesamtkosten
= Gewinn
15.600,00
420.000,00
401.200,00
18.800,00
Rentabilität 34.400/156.000
22,051282%

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • große Aussagekraft durch Einbeziehung des Kapitaleinsatzes
  • die sog. absolute Vorteilhaftigkeit
  • Berücksichtigt Differenzinvestitionen
    • unterschiedliche Anschaffungskosten
    • underschiedliche Nutzungsdauern

Nachteile